Vermessung des Römerlagers


Teilnehmer und Lehrende der Schlussübung Topographie 2005 (Bildquelle: ikg der Universität Hannover)Studentinnen und Studenten des Instituts für Kartographie und Geoinformatik (ikg) der Universität Hannover haben im Sommer 2005 im Rahmen einer Übung das Hedemündener Römerlager vermessen und kartiert. Ein Teil der Ergebnisse wurde uns freundlicherweise vom ikg bereitgestellt und vom Kreisarchäologen Dr. Klaus Grote zur Veröffentlichung freigegeben.

 

Schlussübung Topographie in Hedemünden

Die Schlussübung Topographie ist eine jährliche Übung für Studierende im zweiten Semester des Studiengangs Geodäsie und Geoinformatik sowie für Nebenfachhörer aus den Studiengängen Informatik und Geographie der Universität Hannover. In diesem Feldpraktikum wird der Umgang mit den Messgeräten geübt und gelernt, wie das Gelände „angesprochen“ werden muss, damit man am Ende ein genaues Modell von den Geländeformen und Höhen erhält. Mit elektronischen Tachymetern werden im Außendienst Strecken und Winkel gemessen. Diese Messdaten werden im Innendienst ausgewertet. Nach der Berechnung der Koordinaten wird mit Hilfe der institutseigenen Software TASH (Topographisches Auswertesystem Hannover) ein digitales Geländemodell berechnet. Ein solches Modell beschreibt die Höhe des Erdbodens. Hieraus lassen sich Höhenlinien berechnen. Diese werden zusammen mit den Begrenzungslinien der aufgenommenen Objekte (wie z.B. den Wegen und Wällen) in einer weiteren GIS-Software zu einer großmaßstäbigen topographischen Karte verarbeitet.

2005 wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Hans Heine vom Landesamt für Denkmalpflege und Dr. Klaus Grote von der Kreisarchäologie Göttingen das Römerlager in Hedemünden als Objekt für diese Übung ausgewählt. Das Lager ist für die Landesarchäologen von größter Bedeutung, da es sich um das einzige in Niedersachsen handelt. Der Kern der Anlage ist schon länger als Hünenburg bekannt und wurde bereits 1965 vom Institut für Kartographie vermessen. Die aktuellen Funde haben gezeigt, dass es sich bei dem Gelände um ein etwa 2000 Jahre altes Militärlager handelt. Neben dem als Lager I bezeichneten eher kleinen Bereich innerhalb der noch gut sichtbaren Wallanlage waren weiträumige Lagerflächen außerhalb zu vermessen. Mit 22,5 Hektar auf 500 m x 700 m Ausdehnung sollte die bisher größte Burgenkarte in der Geschichte des ikg erstellt werden.

Zur Vorbereitung der Übung wurden zunächst eine Woche lang mit einer Gruppe von studentischen Hilfskräften etwa 110 Punkte vermarkt und deren Lage und Höhe im System der Landeskoordinaten bestimmt. Die eigentliche Übung fand vom 11. bis 22. Juli statt. Mit etwa 45 Studierenden vor Ort wurde nun von den vorher angelegten Punkten aus das Gelände vermessen. Das Gebiet wurde auf sechs Gruppen aufgeteilt, wobei jeder Teilnehmer die Messung an zwei Standpunkten leitete und vollständig auswertete. Das Gesamtgebiet wurde schließlich im Innendienst wie ein Flickenteppich zusammengeführt.

 

Ergebnisse der Kartierungen

Auszug aus der Karte (hier mit reduzierten Details und 2m-Höhenlinien) (Quelle: ikg der Universität Hannover)Das Ergebnis der kartographischen Auswertung konnte Anfang Dezember 2005 den Denkmalpflegern als digitales Modell und in Form von analogen Burgenkarten im Maßstab 1:1000 und 1:1500 übergeben werden. Die Karten ermöglichen einen Überblick über das gesamte Gebiet. Alle Wege und Pfade, Wälle und Grabungsstellen sind dargestellt. Anhand der Höhenlinien, die einen Abstand von 50cm in der Höhe aufweisen, lassen sich selbst schwach vom Gelände abhebende Formen nachvollziehen. Den Denkmalpflegern wird die Karte auch als Grundlage zur Kartierung der Fundstellen dienen.

Im Wald im Nordwesten liegt das früher als Hünenburg bekannte Lager I. Es ist von einem ovalen Wall umschlossen. Südlich daran schließt Lager II an. Es wird nach Osten und Westen durch nur noch schwach erkennbare Wälle begrenzt, die nun erstmals genau erfasst wurden. Im Süden läuft es in einen Steilhang mit Steinbrüchen aus – unterhalb dessen befindet sich die Bahnlinie. Östlich vom Lager II befinden sich mehrere Terrassen. Daran grenzt Lager IV, das sich heute als Acker bis zur Böschung am rechten Rand der Karte erstreckt.

Geländemodell: Blick nach Nordwesten, links die Werra, oben auf dem Burgberg vom Wall eingefasst das Lager I, im vorderen Hang das Lager IV (Quelle: ikg der Universität Hannover)Im Gegensatz zum vorher vorhandenen Geländemodell der Landesvermessung (50m-Raster, hier grau mit Deutscher Grundkarte überlagert) prägen sich im neu erstellten hochaufgelösten Modell (2m-Raster, hier mit farbigen Höhenschichten dargestellt) auch feine Formen wie die Wälle und Wege ab.

 

Quelle: Institut für Kartographie und Geoinformatik (ikg) der Universität Hannover

Die Informationen und Karten wurden freundlicherweise von Herrn Frank Thiemann, ikg der Universität Hannover, zur Verfügung gestellt und von Herrn Dr. Klaus Grote, Kreisdenkmalpflege Göttingen, zur Veröffentlichung freigegeben.