Geschichte der Hedemündener Schule


Die Anfänge der Schulgeschichte in Hedemünden

Ehemalige Stadtschule 1963Es ist bekannt, dass es ein erstes Schulhaus um 1570 gab.Die Schule befand sich dort, wo die Schuppen und Stallungen der „Hedemündischen Schule“ standen. Der Standort befand sich unmittelbar an der südlichen Kirchhofsmauer in der Nähe des Kirchturms. Es wurde bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts genutzt.

1645 wurde nachweislich der erste Lehrer in Hedemünden genannt. Bis in die 80iger Jahre des 17. Jahrhunderts unterrichtete der Lehrer wahrscheinlich nur die Knaben. Erst 1683 wurde Justus Schrader als Kantor und zweiter Lehrer eingesetzt, damit auch die Mädchen unterrichtet werden konnten. Da die Einwohnerzahl und die Größe der Stadt Hedemünden nahezu gleich blieben, behielt auch die Schule fast 200 Jahre hindurch ihre äußere Gestalt: der Rektor unterrichtete die Knaben, der Kantor (zweiter Lehrer) die Mädchen.

Bereits 1728 wurden der notwendige Neubau und die Verlegung der Schule bei der Regierung beantragt. Aber erst 1731 wurde durch die damalige Königliche Hannoversche Regierung durch Anordnung der Bau eines neuen Schulhauses dringend befürwortet. Das Foto zeigt die Schule 1963. So wurde die neue Schule nur wenige Schritte von dem ersten Schulhaus entfernt gebaut. In den unteren Räumen befanden sich die Klassenzimmer und im 1. Stockwerk gab es zwei Wohnungen für den Lehrer und den Kantor.

Über die Einrichtung der beiden Klassenräume gibt es in der Schulchronik folgende Angaben: Zu jeder Stube ist ein Lehrerpult und zwölf (…) für die Kinder, zwei hölzerne Tafeln mit Gestell, Schränke auch für Wandkarten vorhanden. Zum Gebrauch stehen auch in jedem Klassenzimmer zwei Spucknäpfe bereit. Die Fenster sind mit Vorhängen versehen. In der Stube der I. Klasse befindet sich ein Schränkchen mit dem Globus, außerdem eine Schulgeige.

 

Schule am Pfuhlweg

Schule am PfuhlwegAls die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten, befasste sich der Magistrat 1897 zum ersten Mal mit Plänen für einen Schulneubau.

Der Schulvorstand entschied sich im Oktober 1910 für das Grundstück am Pfuhlweg (Kaufpreis 1 Mark pro Quadratmeter), das zwar nicht mehr im Ortskern lag, aber Erweiterungsmöglichkeiten bot. Im Januar 1913 wurde das Hauptgebäude endlich fertig gestellt und am 1. Mai des gleichen Jahres eingeweiht. Das neue Schulgebäude hatte drei Klassenzimmer, ein kleines Lehrerzimmer und eine kleine Wohnung für den Schulwärter.

Eine zusätzliche Besonderheit war eine Badeanlage mit 12 Brauseköpfen für die Schulkinder und eine kleine Badezelle mit Badewanne und Brause für die Ortseinwohner. Ein Bad kostete 35 Pfennig, 10 Bäder 3 Mark. Die Mündenschen Nachrichten vom 4. April 1915 schrieben: Jeden Sonnabend findet großes Schulbaden statt, wobei die Knaben unter der Aufsicht unseres Schulwärters Ströver, die Mädchen unter der Aufsicht von dessen Ehefrau stehen. Die ganze Einrichtung hat sich vortrefflich bewährt. Im verflossenen Schuljahr haben bei einem Bestand von rund 160 Schulkindern im ganzen 1750 Kinder ein Brausebad genommen, und zwar 1128 Knaben und 622 Mädchen. Allen diesen Kindern bereitet das Baden große Freude, besonders im Winter, wenn das Flußbad unmöglich ist. (In den heißen Monaten, wo unsere Werra zum Baden einladet, wird der Schulbadebetrieb eingeschränkt.) Unbegreiflich aber ist es, daß es noch immer einige Eltern gibt, die die große gesundheitliche Bedeutung und Wichtigkeit solchen regelmäßigen Badens für ihre Kinder und besonders auch für die Mädchen noch immer nicht erkennen und sie deshalb, besonders wieder die Mädchen, davon zurückhalten.

Durch den großzügigen Grundstücksankauf konnte 1929 neben dem Schulgelände ein Sportplatz angelegt werden.

 

Kriegs- und Nachkriegszeit

Über die Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges berichtet die Schulchronik nur wenig. Von 1927 – 31 waren die „Jungdeutschen“ in Hedemünden stark vertreten und nur vereinzelt traten Einwohner der NSDAP bei. Aber mit steigender Arbeitslosenzahl wuchs auch die Mitgliederzahl der NSDAP, die 1933 an die Macht kam. So hisste eines Morgens eine Abteilung der SA die Hakenkreuzfahne auf dem Schulgebäude.

Die ersten schweren Jahre der Nachkriegszeit fanden ihren Niederschlag in der Schulchronik, in der über eine Schulspeisung vom 21.10. – 14.12.1946 für 50 körperlich schwache Kinder aus Spenden des schwedischen Roten Kreuzes berichtet wurde. Eine Erhebung vom 20.6.1946 ergab, dass 75 Kinder ohne Frühstück in die Schule kamen. 150 Kinder von 230 hatten keine Lederschuhe für den kommenden Winter, 67 Kinder keine Strümpfe, 66 Kinder nur ein Paar Strümpfe und 22 Kinder nur ein Hemd. In 22 Fällen schliefen mehr als 2 Kinder in einem Bett. Die Weihnachtsferien 1946 mussten über den 7.1.1947 bis 3. Februar 1947 verlängert werden, da es eine strenge, anhaltende Kälte gab, aber kein Brennstoff zur Verfügung stand.

Das Schulgebäude selbst befand sich in einem schlechten Zustand. Es fehlten Fensterscheiben, die zunächst nicht ersetzt werden konnten. Es gab kaum noch Glühbirnen. Die Schule war mit Beginn der Osterferien 1945 bis Oktober 1945 geschlossen, da das Gebäude von Amerikanern und später durch eine schottische Einheit belegt war. In dieser Zeit standen Bänke und Stühle bei Wind und Wetter auf dem Schulhof. Sie wurden 1946 von drei Tischlern des Ortes repariert. Tische, Stühle, zwei Wandtafelflügel und ein Teil der Schulakten waren verschwunden.

Im November 1952 geriet die Hedemündener Schule in die Schlagzeilen der Presse. Hedemünden hatte seinen „Patschen-Krieg“. Die Kinder mussten Patschen anziehen, wie man hier die Hausschuhe nennt. Beim Anbau hatte man zunächst bei der Einrichtung an Linoleum oder Spritzböden gedacht, blieb aber schließlich bei Holzböden, die poliert werden mussten. Diese waren empfindlich und sollten durch das Tragen von Hausschuhen geschont werden. Zunächst war eine große Mehrheit der Elternschaft damit einverstanden, aber das änderte sich während des Umsetzens in die Praxis: die Toiletten befanden sich außerhalb des Gebäudes auf dem Hof und den Kindern ging von den Pausen viel Zeit verloren. Gerade für die Kleinsten stellte dieser ständige Schuhwechsel eine große Belastung dar. Ein Elternpaar wollte nicht, dass der elfjährige Sohn „wie Großvater“ im Klassenzimmer saß. Er musste in Socken auf seinem Platz sitzen, der mit Packpapier ausgelegt war.

Die Außentoiletten stellten nicht nur in diesem Zusammenhang ein Ärgernis dar. Es waren immer noch die Trockenaborte aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Im September 1961 wurde der Toilettenanbau begonnen. Hinzu kam im Sommer 1962 die Turnhalle.

 

Der Anbau 1952

SchulneubauIm Juli 1949 reichte die Gemeinde Hedemünden einen Bauantrag zur Erweiterung der Volksschule ein. In der Begründung dazu schrieb der Gemeindedirektor:

  1. Die jetzige Volksschule wurde im Jahre 1913 erbaut und war für eine Belegungsstärke bis zu 150 Kinder ausreichend. Es sind 3 Klassenräume, 1 Lehrerzimmer und eine Hausmeisterwohnung vorhanden.
  2. Durch die Vergrößerung der Einwohnerzahl von 974 Personen im Jahre 1939 auf 1900 Einwohner im Jahre 1949, welche durch Evakuierung und Flüchtlinge hervorgerufen wurde, womit naturgemäß auch eine Erhöhung der Kinderzahl verbunden ist, ergab sich die Tatsache, daß die vorhandenen Schulräume bei weitem nicht mehr den gestellten Anforderungen genügen. Die Kinderzahl beträgt jetzt im Schuljahr 1949 285 Kinder,… . Ebenso verhält es sich mit den Schullehrern. Während bislang 3 Lehrer an der hiesigen Schule tätig waren,… sind jetzt 5 Lehrer beschäftigt, eine 6. Lehrerstelle ist beantragt worden, aber diese Stelle konnte bis jetzt noch nicht besetzt werden, da es unmöglich ist, daß 6 Lehrer 285 Kinder in 3 Schulräumen unterrichten können.

Der Anbau wurde am 28. Mai 1952 eingeweiht. Es waren 3 Klassen und das Schulleiterzimmer im Erdgeschoss, die Aula und ein Lehrmittelraum im Dachgeschoss sowie zwei Behelfsräume (jetzt Werk- und Jugendraum) im Keller eingerichtet worden.

 

Erweiterung zur Mittelpunktschule

SchulanbauIm März 1962 berichtete die MN (Mündener Nachrichten), dass aus Platzmangel für das neunte Schuljahr (Die niedersächsische Landesregierung hatte am 20. Juni 1960 die neunjährige Volksschulpflicht eingeführt.) das Lehrmittelzimmer und zwei Kellerräume in Unterrichtsräume verwandelt werden mussten.

Der Bau einer zweiten Mittelpunktschule des Kreises Münden wurde notwendig, als die Gemeinden Hedemünden, Laubach, Oberode, Lippoldshausen und Wiershausen im August 1961 einen Schulzweckverband gründeten. In diese Mittelpunktschule sollten das siebente bis neunte Schuljahr einer jeden Gemeinde Einzug halten. Die Grundsteinlegung erfolgte am 20. August 1962.

An das bestehende Gebäude wurde ein zweigeschossiger Klassentrakt mit vier Klassenräumen und in Flachbauten zwei Gruppenräume sowie eine Lehrküche angebaut.

Wegen der niedrigen Schülerzahl wurde mit Wirkung vom 30. November 1969 die Schule in Laubach geschlossen.

Ab 1. Dezember wurden die Laubacher Kinder mit einem für diesen Zweck vom Landkreis Münden angeschafften Bus mit Frau Wienecke als Fahrerin täglich zur Schule gefahren.

Weitere Veränderungen am 1. August 1970:

  • Die Schüler der Jahrgänge 7 – 9 aus Wiershausen wurden auf Beschluss des Wiershäuser Gemeinderates in die Mündener Hauptschule umgeschult. Nur 8 Schüler des Abschlussjahrgangs aus Wiershausen beendeten ihre Schulzeit 1971 in Hedemünden.
  • Die 5. und 6. Schuljahre der Orte Lippoldshausen und Oberode kamen nach Hedemünden, so dass die Kombination der Jahrgänge 5 und 6 zu einer Klasse fortfiel. Von jetzt an gab es nur noch Jahrgangsklassen. In den Schulen Lippoldshausen und Oberode verblieben nur die Grundschuljahrgänge 1-4.
  • Die Schule Hedemünden richtete als erste Schule des Kreises Münden 2 Vorschulklassen ein mit zusammen 31 Kindern. Hier sollten alle Kinder zur Schulreife geführt werden.

 

Auflösung der Schulen in Oberode und Lippoldshausen

Am 1. August 1972 wurde im Rahmen des Schulentwicklungsplanes die Grundschule in Oberode aufgelöst und in die Mittelpunktschule Hedemünden integriert.

Die Übernahme der Oberoder Schüler war räumlich aber nur möglich, indem gleichzeitig zwei der Hedemündener Oberstufenjahrgänge in die Hauptschule Münden umgeschult wurden. Deshalb wurden ab Schuljahr 1972/73 das 5. und 6. Schuljahr nach Münden geschickt.

1974 wurde die Schule in Hedemünden eine reine Grundschule. Mit Wirkung vom 1. August 1974 ging die Grundschule Lippoldshausen in die Grundschule Hedemünden über.

 

Die Schule heute

Die Schule heuteMit dem Jahr 2002 entfielen die Vorklassen. Die Grundschule Hedemünden hat z. Zt. 155 Schüler, die von 9 Lehrkräften in 8 Klassen unterrichtet werden. Durch den Rückgang der Schülerzahlen infolge des Wegfalls der Vorklassen wurden Räume frei, in denen ein Computerraum, eine Schülerbücherei und ein Förderraum eingerichtet werden konnten.

Im Jahr 2009 legte die Bundesregierung ein Konjunkturpaket zur Belebung der Wirtschaft auf, mit dem die Kommunen unter anderem öffentliche Einrichtungen sanieren konnten. Ein Teil der Mittel wurde für die energetsiche Fassaden-Sanierung der Hedemündener Grundschule eingesetzt. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass sich die an die Grundschule angebaute Turnhalle in einen sehr schlechten baulichen Zustand befand. Der Rat der Stadt Hann. Münden beschloss daraufhin, den Altbau abzubrechen und eine neue Turnhalle (Mehrzweckhalle) zu bauen. Der Neubau der Turn- und Mehrweckhalle konnte 2012 in Betrieb genommen werden.

 

Quelle: Festvortrag zum 90-jährigen Bestehen der Schule am Pfuhlweg im Jahr 2003, veröffentlicht auf der Internetseite der Hedemündener Grundschule (mit Ergänzungen).